Wie du mit Konflikten in der Partnerschaft umgehst

Es ist normal, Angst vor Konflikten zu haben, vor allem wenn dir nie beigebracht wurde, wie du damit auf gesunde Weise umgehen kannst. Vielen von uns wurde im Laufe des Heranwachsens beigebracht, dass Konflikte schlecht sind und negative Folgen haben. Das liegt daran, dass die meisten Menschen, sogar verheiratete Paare, nicht wissen wie man Konflikte auf eine gesunde und produktive Weise angeht. Uns fehlen die Fähigkeiten, Konflikte zu navigieren und zu managen – das führt dazu, dass wir:

  1. Argumente vermeiden
  2. Konflikten eine vernichtende Bedeutung zuschreiben oder
  3. Angreifen, in die Verteidigung gehen, beschuldigen, beschämen und kritisieren.

Die Wahrheit ist – Konflikte sind unvermeidlich und oft sogar notwendig. Konflikte sind ein Teil jeder Beziehung. Wir alle sind Individuen mit unterschiedlichen Überzeugungen, Geschichten, Ideen, Wahrnehmungen, Vorlieben, Werten, Persönlichkeiten und Wünschen. Anstatt zu versuchen, Konflikte zu vermeiden, zu leugnen, zu fürchten oder gar zuzulassen, dass sie unsere Beziehung zerstören, müssen wir Konflikte akzeptieren und lernen, wie wir sie auf eine sinnvolle Weise in Angriff nehmen können.

Es geht nicht darum, ob es Konflikte in deiner Beziehung gibt oder nicht; wichtig ist, wie du mit ihnen umgehst. Gesunde Beziehungen sehen Konflikte als eine Chance für Wachstum und Verbundenheit. Konflikte haben das Potenzial euch zu zeigen, wie ihr einander besser lieben und unterstützen könnt.

Gängige Konflikte in Beziehungen

Es gibt viele verschiedene Arten von Konflikten, mit denen du in einer Beziehung konfrontiert werden kannst. Alle Konflikte haben das Potenzial, eine Beziehung zu zerstören oder dich und deinen Partner einander näher zu bringen. Einige gängige Themen, über die sich Paare streiten, sind:

  • Zuständigkeiten und Verantwortungen
  • Geld
  • Häufigkeit von Sex und Vorlieben im Bezug auf Intimität
  • Wie man Grenzen mit Familie und Freunden setzt
  • Eifersucht
  • Wie viel Zeit man zusammen oder getrennt verbringt
  • Art und Weise der Erziehung

Persönlichkeitsunterschiede sind ebenfalls ein häufiger Grund für Streitereien, Groll und Frustration in Beziehungen. Einige Beispiele für Persönlichkeitsunterschiede, die deine Beziehung beeinflussen können, sind:

  • Extrovertiert vs. introvertiert
  • Morgen- vs. Nachtmensch
  • Geldsparer vs. Geldausgeber
  • Logisch vs. intuitiv
  • Pessimistisch vs. optimistisch
  • Abenteurer vs. Stubenhocker
  • Sauber und ordentlich vs. unordentlich
  • Energetisch vs. ruhig und gesammelt
  • Gesprächig vs. ruhig
  • Gefühlvoll vs. emotionslos
  • Planer vs. Spontan

Verzichte in der Hitze des Gefechts auf Beschimpfungen, persönliche Beleidigungen, Zankereien oder Stillschweigen – das schafft Vertrauensprobleme und sorgt dafür, dass sich dein Partner angegriffen und unsicher fühlt. Aber gib Acht – sollte es vermehrt zu entwürdigendem und inakzeptablen Verhalten kommen, können das Anzeichen einer toxischen Beziehung sein.

Der Schlüssel zum Umgang mit Persönlichkeitsunterschieden ist zu lernen, eure Unterschiede zu respektieren, diese zu kommunizieren, dem anderen einen Vertrauensbonus einzuräumen und Wege zu finden, die Wünsche, Vorlieben und Bedürfnisse des anderen zu achten.

Nutze Methoden zur Konfliktlösung, um ein Kompromiss einzugehen und finde konstruktive Problemlösungen, um Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Lerne deine Stärken zu nutzen um eine glückliche, gesunde und blühende Partnerschaft aufzubauen.

Ein Paar, das sich nach einem Streit umarmt

Wie man ein schwieriges Gespräch beginnt

Wenn ein Gespräch unter Paaren mit Negativität beginnt, wendet es sich fast nie zum Positiven. Eine Untersuchung des Gottman Instituts hat herausgefunden, dass die ersten drei Minuten eines Gesprächs in 96% der Fälle den Ausgang vorhersagen. Wenn ein Gespräch also schon schlecht anfängt, endet es in der Regel auch schlecht.

Ein Gespräch sanft und positiv zu beginnen erfordert, sobald du dich der anderen Person näherst, Bewusstsein für deinen Tonfall, Lautstärke der Stimme, Augenkontakt und Körpersprache. Zuerst solltest du dich selbst beobachten, um deine eigenen Emotionen und Bedürfnisse zu erkennen. Wenn du zu wütend oder aufgebracht bist, um auf eine sanfte und freundliche Art und Weise zu kommunizieren, nimm dir einen Moment Zeit, um dich zu beruhigen, bevor du das Gespräch beginnst.

Während eines Streits ist es am besten, sich auf ein Problem nach dem nächsten zu fokussieren. Das erlaubt dir, dich zu konzentrieren und besser zu verstehen, was wirklich unter der Oberfläche vor sich geht. Es hilft außerdem dabei Probleme zu lösen und sich gegenseitig zu unterstützen, ohne von anderen Problemen, die Aufmerksamkeit benötigen, abgelenkt zu werden.

Wie man die Beziehung während eines Streits wieder in Ordnung bringt

Während eines Streits ist die beste Zeit, um Probleme in einer Beziehung in Ordnung zu bringen. Versöhnungsversuche sind ein Weg, um Spannungen zu entschärfen und die Beziehung wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Es entsteht die Möglichkeit, die Spannung zu verringern, sich wieder zu versöhnen und Fürsorge und Support zum Ausdruck zu bringen. Versöhnungsversuche machen euch beide empfänglicher dafür, Kompromisse zu finden.

Wege zur Versöhnung während eines Konflikts sind u.a.:

  • Wertschätzung und Fürsorge ausdrücken
  • Verletzlichkeit zeigen
  • Empathie ausdrücken
  • Komplimente machen
  • Sich umarmen, Händchenhalten oder über den Rücken streicheln
  • Humor und Albernheit nutzen
  • Gemeinsamkeiten und Parallelen finden
  • Neugierde ausdrücken und versuchen, die Gedanken und Gefühle der anderen Person zu verstehen
  • Zuneigung und Bewunderung ausdrücken
  • Sich entschuldigen und Verantwortung übernehmen
  • Eine Pause vorschlagen

Ihr könnt euch eine geheime Phrase oder ein Wort ausmachen, welches Versöhnung kommuniziert. Humor kann ebenfalls genutzt werden, um eine Situation zu entschärfen.

Eine weitere Versöhnungsmöglichkeit ist, deinem Partner die Versöhnung in seiner Liebessprache zu kommunizieren. Wenn die bevorzugte Liebessprache deines Partners zum Beispiel bestätigende Worte sind, kannst du die Versöhnung einleiten, indem du ihm sagst, was du an ihm liebst. Wenn es um körperliche Berührungen geht, kannst du eine Umarmung anbieten, Händchen halten oder ihm den Rücken massieren. Du bekommst sicher eine Vorstellung davon, wie es funktioniert!

Wenn du nicht in der Lage bist, während eines Konflikts Versöhnungsversuche einzuleiten oder zu empfangen (oder du willst es einfach nicht) – nimm dir eine 20-minütige Auszeit. Während dieser Pause kannst du zum Beispiel ein paar tiefe Atemzüge nehmen, um dich zu beruhigen und dein Nervensystem zu regulieren.

Pärchen auf einer Schaukel nach einer Diskussion

Auf einen Kompromiss hinarbeiten

Der Schlüssel zum Kompromiss liegt darin, zu lernen, wie man die Bedürfnisse und Wünsche der anderen Person respektiert und achtet, ohne dabei seine eigenen zu opfern. Die Bedürfnisse und Meinungen deines Partners sind genauso wichtig und legitim wie die deinen.

Offene Kommunikation ist entscheidend, um Kompromisse einzugehen. Es ist wichtig, dass du deine Gedanken und Gefühle offen und ehrlich kommunizierst.

Wenn du Kompromissgespräche mit Neugier, dem Willen aktiv zuzuhören, Einfühlsamkeit und Liebe zu deinem Gegenüber angehst, sorgst du für die emotionale Sicherheit, die für schwierige Gespräche notwendig ist.

Wenn ihr euch über das aktuelle Problem geeinigt und einen vorläufigen Abschluss gefunden habt, könnt ihr entscheiden, ob dies der richtige Zeitpunkt ist, ein anderes Problem anzusprechen. Ihr könnt natürlich auch einen späteren Zeitpunkt für ein weiteres Gespräch vereinbaren.

Die Bedeutung von Versöhnung nach einem Konflikt

Wenn wir nach einem Konflikt nicht vollständig alles verarbeiten und uns versöhnen, neigen wir dazu, bewusst oder unbewusst zu grübeln. Wir fangen an, kognitive Dissonanz, eine Zunahme von Negativität und eine langsame Auflösung des Vertrauens und der Intimität in der Beziehung zu erleben.

Je unabgeschlossener die Versöhnung ist, desto mehr Distanz entsteht und desto mehr Verteidigungsmauern werden aufgestellt. Du bist gereizt, ängstlich, nachtragend, deprimiert oder unglücklich. Schließlich fühlst du dich distanziert, apathisch und so verletzt, dass es immer schwerer wird, deine Schutzmauern einzustürzen und sich zu versöhnen. Normalerweise geht dieser Prozess langsam von Statten und entwickelt sich über einen längeren Zeitraum – bis du eines Tages über eine Trennung nachdenkst.

Es ist sehr wichtig zu lernen, wie man Konflikte verarbeitet und sich nach einem Konflikt versöhnt. Es ist weiterhin sehr wichtig, ein Gefühl von emotionalem Abschluss zu finden, so dass dich Negativität, Verletzungen und Ablehnung nicht verfolgen. Wenn du dich nicht versöhnst, staut deine Beziehung emotionalen Ballast an, der euch beide belastet, Distanz schafft und eure Beziehung langsam untergräbt und zerstört.

Aber gib Acht – wenn Konflikte ungelöst bleiben und sich ein Teufelskreis bildet, dann kann das ein Anzeichen dafür sein, dass ihr euch in einem Zyklus einer toxischen Beziehung wiederfindet.

Finde heraus, ob du zu viel von deinem Partner verlangst oder dich in einer toxischen Beziehung befindest.

Ehepaar lächelnd nach einem Streit

Wie man eine Beziehung nach einem großen Streit in Ordnung bringt

Versöhnung nach einem Streit erfordert Verletzlichkeit und Verantwortung.

Nach einem Streit fühlst du dich wahrscheinlich verletzt, beschämt, schuldig, wütend, ängstlich oder besorgt. Es kann sich sehr beängstigend anfühlen, deinen Schmerz mit deinem Partner zu teilen. Ein wichtiger Teil des Versöhnungsprozesses ist es, deinem Partner zu erlauben, deinen Schmerz zu verstehen – indem du deine Sichtweise, Gefühle und Erfahrungen mit ihm teilst.

Indem du vergangene Erfahrungen und gegenwärtige Gedanken, die zu deinen Gefühlen beitragen teilst, gibst du deinem Partner die Möglichkeit dich zu verstehen, nachzufühlen, zu trösten und sich zu vertragen. Du gibst der Beziehung eine Chance zu heilen. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Heilung eurer Partnerschaft.

So offen zu teilen erfordert Verletzlichkeit und Vertrauen darauf, dass die andere Person deine Gefühle respektiert und als wichtig empfindet. Wenn sich dein Partner dir offen mitgeteilt hat, achte darauf, dass du seine Gefühle und Erfahrungen akzeptierst. Denke daran, dass Konflikte eine Chance für mehr Nähe sind. Sie sind eine Möglichkeit, den anderen besser zu verstehen, sich näher zu kommen und zu zeigen, wie wichtig ihr euch seid.

Bei einer Versöhnung ist es auch wichtig, dass beide Partner die Verantwortung für die Art und Weise übernehmen, in der sie zum Konflikt beigetragen haben. Es ist üblich, dass sich beide Partner defensiv und im Recht fühlen.

Schuldzuweisungen werden oft als Verteidigung gegen emotionalen Schmerz eingesetzt, aber solange es Schuldzuweisungen gibt, besteht auch keine Möglichkeit zur Versöhnung. Der Übergang von Schuldzuweisungen zu persönlicher Verantwortung ist ein Schritt in die Richtung zur Versöhnung.

Verantwortung zu übernehmen kann so einfach sein – du kannst zum Beispiel sagen:

  • „Es ist nicht alles deine Schuld, ich trage meinen Teil dazu bei, indem…“
  • „Ich war zu streng mit dir.“
  • „Ich war gestresst und habe es an dir ausgelassen, es tut mir leid.“

Verantwortung zu übernehmen verhindert eine Eskalation von Spannungen und ist ein Schritt in Richtung Wiedergutmachung. Ein Teil davon, die Verantwortung zu übernehmen, kann eine Entschuldigung sein. Wichtig ist, dass du die Verletzung die du verursacht hast anerkennst und die Verantwortung für dein Handeln übernimmst.

Als nächstes solltest du vorausplanen, wie du deine Kommunikation beim nächsten Streit oder beim nächsten Konflikt verbessern kannst. Stelle sicher, dass du den Konflikt emotional vollständig verdaut hast, damit ihr beide mit Liebe, Support und Frieden voranschreiten könnt.

Am Ende eines jeden Konfliktgesprächs empfehle ich immer, Dankbarkeit füreinander auszudrücken. Ich empfehle, dass jeder von euch 3 Dinge ausdrückt, für die ihr an der anderen Person dankbar seid. Das ist eine großartige Möglichkeit sich zu versöhnen, sich wieder nahe zu kommen und sich gegenseitig Wertschätzung zu zeigen.

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